Carbon und viel Bling-Bling – der SJM430 CF Pro

Die Firma SJM, die jetzt wohl außerdem aufgrund von Markenstreitigkeiten SPH heißt, ist schon ein wenig verrufen, hat sie in der Vergangenheit doch eine ziemlich undurchsichtige Update- und Marketingpolitik betrieben. Dies mag ein Grund dafür sein, dass diese Helis in Deutschland nicht sehr verbreitet sind. Ich habe es trotzdem mal riskiert. Seit ich das erste Foto dieses Helis im Internet gesehen habe, bin ich nämlich rettungslos in diese Maschine verliebt.

Ursprünglich als SJM 500 entwickelt, orientiert sich die Benennung dieses Nachfolge Modells an der Rotorblattgröße und wird mittlerweile als SPH SJM430 CF Pro V2.5 extreme geführt. Was für ein Zungenbrecher…

Der Heli ist kommt recht edel in drei vormontierten Baugruppen daher. Alle Teile sind entweder aus Carbon oder Aluminium gefertigt und wenn man dies bedenkt, dann ist der Preis eigentlich unschlagbar. Trotz der Vormontage sollte man erfahrungsgemäß alle Teile nochmals überprüfen und auch alle Schrauben mit Lack sichern, da dies bei der Montage nicht durchgeführt wurde. Alu- und Carbonbauteile werden ergänzt durch ein schicke, sehr sauber lackierte Carbon-Haube, die allerdings nur recht stramm auf die Haubenhalter passt. Um ehrlich zu sein, hatte ich schon den Support meines Händlers kontaktiert, weil ich sie zuerst nicht auf den Heli bekommen hatte. Dann ging es aber doch und der nette Supportmitarbeiter wird es mir hoffentlich nicht übel genommen habe. Ich habe den Heli übrigens bei Mans-Toy bestellt, für deren prompte Lieferung und netten Service ich hier auch mal ein wenig Werbung machen möchte.

Die Haube ist in meinem Falle in Blau, Gelb und Weiß lackiert, auch wenn der Heli auf den meisten Abbildungen eine orange-gelbe Kappe trägt. Vielleicht war es ein Zufall oder Versehen, dass ich diese Mütze bekommen habe, aber ich bin damit ganz zufrieden, schließlich ist mein Hurricane ja schon orange lackiert und der Mini Titan gelb.

Beim ersten Augenschein fühlt sich der Heli recht leicht an, ein Effekt der verwendeten Materialien. Mich hat das zuerst ein wenig irritiert, bin ich doch den Kartoffelsack Hurricane gewöhnt. Im Augenblick gibt es noch keine Bauanleitung, sie wird derzeit noch entwickelt. Das macht mir gerade nicht so sehr viel aus, denn zur Zeit komme ich auch gar nicht zum Bauen. Ich würde mir zwar grundsätzlich zutrauen, das Teil auch ohne Anleitung zusammenzubauen, aber bevor man einen nicht wieder gut zu machenden Baufehler begeht, sollte man sich vielleicht doch ein wenig gedulden.

Haupt- und Heckrotor sind wie erwähnt aus CNC-gefrästem Aluminium gefertig und ich muss sagen, das sieht einfach wunderschön aus. Ich kenne ja nur Plastik-Helis. Das hier sieht doch um einiges edler aus. Der Rotorkopf hat zudem eine recht ungewöhnliche Geometrie mit einer oben liegenden Paddelstange. Auch das ist mal eine Lösung abseits des Mainstreams, genau wie der gesamte Heli. Und glücklicherweise besitzt die Paddelstange, deren Paddel mit reflektierenden Hologramm Stickern beklebt sind, jetzt endlich mit 3 mm auch eine ausreichende Dicke. Ich mag´s halt, wenn sie dick sind, die Paddelstangen, auch wenn das energetischer Unsinn sein mag. Der Rotorkopf läßt sich übrigens – wie bei den Vorgängern – in zwei verschiedenen Positionen einbauen, je nachdem, ob man hartes 3D mit niedrigem Schwerpunkt oder lieber etwas gemütlicher mit höherem Schwerpunkt fliegen möchte. Konsequenterweise liegt auch eine zweite, kürzere Paddelstange bei, die die Agilität des Helis bei akrobatischen Flugprogrammen erhöhen soll.

Der bei der Vorgängerversion dreiblättrige Heckrotor, den ich persönlich ja sehr, sehr sexy fand, ist wieder einem Zweiblatt-Heckrotor gewichen. Wie ich gelesen habe, war der Dreiblatt-Heckrotor nur eine Notlösung, da der ursprüngliche Heckrotor einfach zu klein entwickelt wurde und deshalb nicht genug Schub entwickelte. Insofern kann man nur hoffen, dass diese aktuelle, vergrößerte Heck seiner Aufgabe gerecht wird. Auch die charakterische Heckrotor-Verstrebung, die SPH bei vielen ihrer anderen Heli-Modelle verwendet hat, ist hier gewichen. Dafür gibt es jetzt eine schicke Verstrebung aus breitem Aluminium für das Heckrohr.

Auch die Servohalter wurden wohl überarbeitet und fassen jetzt auch Servos in Standardgröße. Ganz besonders gut finde ich die Idee, die Blattaufnahme des Hauptrotors zu vergrößern, so daß jetzt auch ohne weitere Umbauten und Zukäufe Rotorblätter von Drittanbietern, wie z.B. Blattschmied und Helitec, verbaut werden können.

Alles in allem habe ich einen sehr guten ersten Eindruck von meinem neuesten Familienmitglied.

 

Technische Daten:
Hauptrotor-Durchmesser: 1030 mm
Heckrotor-Durchmesser: 180 mm
Länge: 940 mm
Höhe: 280 mm
Abfluggewicht: ca. 1700 g
Motor: 1000W; 1060kV; Motorpole 10; Ritzel 14Z
Regler: SJM 60A
Akkus: 2x SLS 3S1P 2200mAH 20C/30C
Taumelscheiben Servos: 3 x HITEC HS-225 MG
Kreisel und Heckservo: Gy-401 mit Futaba S9257
Empfänger: Spektrum AR7000

 

Aus zeitlichen Gründen hat es ein wenig gedauert, bis ich den Helikopter fertig bauen konnte, aber jetzt ist es endlich geschafft. Ich habe mich beim Bau am hervorragenden Baubericht von Helios orientiert, der sich in diesem Thread bei RC-Heli-Fan findet. Ein weiterer sehr umfangreicher und hilfreicher Thread findet sich im Forum bei RC-Line und zwar hier. Der Bau hat Spaß gemacht, alles hat gepaßt, nichts ist kaputt gegangen und der Heli fliegt sehr angenehm. Etwas agiler und leiser als der Hurricane, aber doch recht stabil und sehr steuerungstreu. Einzig beim Hochfahren beobachte ich eine sehr kurze Phase erhöhter Vibrationen, die sich auch in einem äußerst fiesen Geräusch äußert, aber das beschränkt sich auf vielleicht eine halbe Sekunde und scheint sich auf des sonstige Flugverhalten nicht auszuwirken. Das urprünglich eingebaute und von Man´s Toy empfohlenen Futaba S3116 Heckservo habe ich inzwischen durch ein S9257 ersetzt. Im Zusammenspiel mit dem Gy-401 steht das Heck dadurch wie angenagelt in der Luft. Ich habe mit dem S3116 zwar nicht wirklich schlechte Erfahrungen gemacht, hatte aber Bedenken, es könnte für die Größe des Helis bei dynamischen Flugmanövern vielleicht etwas unterdimensioniert sein. Zwischenzeitlich hatte ich auch mal versucht, die relevanten Flugdaten zu loggen, aber mein EagleTree hat irgendwie eine Macke und hat mir bei den Drehzahlen ziemlich seltsame Werte aufgezeichnet. Eine optische Messung ergab eine Rotordrehzahl von ca. 2000 rpm.

Ich habe eigentlich nur zwei Modifikationen angewendet, die auch von Helios empfohlen wurden. Die Heckfinne besitzt nun eine Aluminium-Unterlegung. Dies verhindert Scherkräfte an den Befestigungsschrauben der Finne durch Vibrationen. Diese Kräfte können auftreten, da die Schrauben hier nebeneinander und nicht mehr, wie in der alten Version, untereinander liegen.

Die zweite und wichtigere Modifikation betrifft die Kugelpfannen zur Ansteuerung des Heckrotors. Diese sind im Auslieferungszustand etwas zu kurz, so dass in einer Richtung nur unzureichende Pitchwerte angesteuert werden können. Ebenfalls angeregt durch den Baubericht von Helios, habe ich diese Kugelpfannen ersetzt und auch die Bohrung versetzt, so dass das Heck nun höhere Pitchwerte erreicht und besser steuerbar ist.

Bislang habe ich den Heli wegen eklatanten Zeitmangels aber nur in unserem Garten eingestellt und geflogen. Jetzt wird es Zeit, mal endlich auf´s Feld zu gehen.

Bis dahin präsentiere ich hier mal ein paar Standfotos vom fertig aufgebauten Heli. Er ist wirklich eine Schönheit und wohl das attraktivste Mitglied meiner Flotte.

Die Originalfassung dieses Artikels wurde ursprünglich am 25. Juni 2008 auf Skylab – hier geht´s um Helisveröffentlicht.

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